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Salmlerartige (Characiformes)

Echte amerikanische Salmler (Characidae)

Blehers Rotkopfsalmler (Hemigrammus bleheri Géry & Mahnert, 1986)

Ahls Rotmaulsalmler (Hemigrammus rhodostomus Ahl, 1924)

Georgis Rotmaulsalmler (Petitella georgiae Géry & Boutière, 1964)

Hemigrammus rhodostomus Ahl, 1924

Bis etwa 4 cm. Die schwarz-weiße Zeichnung der Schwanzflosse weniger kontrastreich, die Schwanzflossenspitzen ungefärbt durchsichtig. Verlängerung des schwarzen Flecks auf der Schwanzflosse in ein schwarzes Band nur gering ausgebildet und reicht kaum über die Schwanzwurzelbasis hinaus. Die Rotfärbung des Kopfes gegenüber Hemigrammus bleheri schwächer und kaum bis hinter den Kiemendeckelrand reichend.
Einleitung:

Was kleinere Barben und Bärblinge in Südostasien sind, sind die Salmler aus der Familie der Characidae in Südamerika. Bei vielen handelt es sich geradezu um ideale Aquarienfische, was Größe und Sozialverhalten angeht. Das tropische Tiefland des Amazonasbeckens stellt u.a. für diese Tiergruppe einen Evolutionsschwerpunkt dar. Interessant ist die Tatsache, daß es eine ganze Reihe von Parallelentwicklung oder sehr eng verwandter Arten gibt, die sich in nur wenigen Merkmalen was Färbung und Knochenbau betrifft unterscheiden und die sich teilweise in verschiedenen Gebieten gegenseitig ersetzen, teilweise aber auch syntop vorkommen.

Ein Beispiel dafür sind die Rotkopf- und Rotmaulsalmler, die mit drei Arten im Handel erhältlich sind, wobei zumindest eine Art eher selten anzutreffen ist.

Da die drei Arten sich hinsichtlich ihres Verhaltens und der Pflegeansprüche recht ähnlich sind, sollen sie gemeinsam behandelt werden.

Synonyme:

Keine.

Unterscheidungsmerkmale:

Petitella georgiae Géry & Boutière 1962:

Bis etwa 5 cm. Die Schwarz-weiße Zeichnung der Schwanzflosse (Caudale) kontrastreich. Spitzen der Schwanzflossen schwarz oder wenigstens dunkel gezeichnet. Der mittlere schwarze Fleck der Schwanzflosse setzt sich in ein mehr oder weniger erkennbares schwarzes Band auf den Seiten fort bis knapp hinter der Rückenflosse. Die Rotfärbung des Kopfes reicht bis etwa hinter dem Kiemendeckelrand.
Gegenüber der Gattung Hemigrammus abweichender Zahnaufbau, höhere Anzahl Kiemendornenreusen.

Hemigrammus bleheri Géry, 1986:

Hemigrammus bleheri

Bis etwa 4,5 cm. Die schwarz-weiße Zeichnung der Schwanzflosse weniger kontrastreich, die Schwanzflossenspitzen ungefärbt durchsichtig. Verlängerung des schwarzen Flecks auf der Schwanzflosse in ein schwarzes Band nur gering ausgebildet und reicht kaum über die Schwanzwurzelbasis hinaus. Die Rotfärbung des Kopfes ausgeprägter und reicht deutlich über den Kiemendeckel hinaus.

Lebenserwartung:

Die Lebenserwartung im Aquarium liegt bei etwa 3 bis maximal 5 Jahren. In der Natur vermutlich aufgrund hohen Feinddruckes deutlich geringere Lebenserwartung bis etwa 2 Jahre.

Verbreitung und Lebensräume:

Petitella georgiae Géry & Boutière 1962:

Oberes Amazonasgebiet bei Iquitos (Peru), Rio Branco (Brasilien). Vermutlich vorzugsweise im Weißwasser.

Hemigrammus bleheri Géry, 1986:

Rio Negro Gebiet (Brasilien), Rio Vaupes, Rio Meta (Kolumbien). Schwarzwasser.

Hemigrammus rhodostomus Ahl, 1924

Unteres Amazonasgebiet (Brasilien), Rio Orinoco Gebiet (Venezuela). Diese Art mit zwei deutlich getrennten Verbreitungsgebieten. Schwarzwasser.

Haltung:

Die Rotkopf- und Rotmaulsamler sind relativ anspruchsvolle Fische. Sie benötigen sauberes, biologisch wenig belastetes Wasser (geringe Nitrat- und Phosphatbelastung), weiches Wasser mit idealen Werten bis GH 4, pH Werten zwischen 5,5 und 6,5, tendenziell eher warm mit Temperaturen von 26 C und etwas darüber. Petitella georgiae als Weißwasserfisch stellt bzgl. der pH Werte und der Härte nicht ganz so hohe Anforderungen wie die beiden Arten der Gattung Hemigrammus. Die Einrichtung des Aquariums sollte strukturreich sein und auf keinen Fall zu hell. Holzwurzeln, mit Laub abgedunkelter Sandboden, einige dichtere Pflanzenbestände sind den Tieren anzubieten, dennoch ist auch ausreichender Schwimmraum den recht aktiven Fischen anzubieten.

Als kleine Raubfische, die auf Kleinkrebse und Insektenlarven spezialisiert sind, ist die Ernährung recht einfach. Wasserflöhe, Ruderfußkrebse, Mückenlarven (vorzugsweise schwarze und weiße), aber auch Trockenfutter werden willig angenommen.

Sozialverhalten und Beckengröße:

Rotmaul- und Rotkopfsalmler sind echte Schwarmfische (s. auch besondere Anmerkungen). Die Gruppengröße ist auf keinen Fall zu klein zu wählen, 10 Tiere bilden keinen Schwarm, 15 Tiere einer Art sollten es als Untergrenze schon sein, erst ab Größenordnungen von 30 Tieren und mehr gewinnen die Tiere soziale Sicherheiten im Schwarm. Erst ab diesen Größenordnungen zeigen die Tiere ihr arttypisches Verhalten und ziehen gerne in kleineren und größeren Trupps, immer im engen Kontakt zu Artgenossen durch das Aquarium.

Aus diesen Vorgaben und bei der zu berücksichtigen Endgröße ergeben sich die Minimalforderungen für die zu wählende Beckengröße. Für eine Gruppe von 20 Tieren sind 200 l Aquarien als die untere Grenze zu definieren. Angaben, wie man sie in der Literatur findet wie Beckenlänge 60 cm (54 oder 63 l) sind für die erforderliche Haltung zu gering angesetzt.

Geschlechtsunterschiede und Zucht:

Die Geschlechter sind nicht leicht zu unterscheiden. Die Männchen sind meist schlanker gebaut und etwas farbenprächtiger, d.h. kontrastreicher gezeichnet. Die Weibchen sind hingegen zur Laichzeit fülliger gebaut.

Die Zucht der Rotmaul- und Rotkopfsalmler ist nicht einfach. Als erstes benötigen man laichwillige Paare oder besser kleine Gruppen. Die Tiere müssen gut angefüttert sein (Laichansatz) und sich wohlfühlen. Im Aquarienverein laichen die Rotkopfsalmler gelegentlich im Schaubecken ab. Dies geschieht bodennah aus einer kleineren Gruppe von etwa 10-15 Tiere vorzugsweise in den Morgenstunden heraus. Sie sind Freilaicher. Dichte Polster von Laub, Javamoos etc. verhindern, daß die Eier von den Elterntieren oder anderen Salmler schnell gefressen werden. Die Tiere entpuppen sich unter Aquarienbedingungen als Laichräuber.

Während das Ablaichen bei gut eingewöhnten, sich wohl fühlenden Tieren wohl regelmäßiger vorkommt, wenn es auch selten vom Pfleger beobachtet wird, ist die Aufzucht von der Eientwicklung an schwieriger. Die Eier benötigen salzarmes und keimarmes Wasser. Das Wasser sollte eine Härte von 2-3 GH nicht überschreiten bei einem pH Wert von 6,0. Maßnahmen zur Senkung der Keimdichte z.B. durch humin- und tanninreiche Blätter, Torf etc. sind empfehlenswert. Die Elterntiere sind nach dem Ablaichen unbedingt zu entfernen, da sie sich auch an schlüpfenden Larven gütlich tun. Nach dem Schlupf der Larven dauert es noch etwa 3 Tage bis zum Freischwimmen der Jungfische. Diese sind mit feinstem Tümpelfutter oder Infusorien (einzellige Tiere wie Ciliaten) zu ernähren.

Verwechslungsmöglichkeiten:

Verwechslungsmöglicheiten bestehen nur unter den genannten Arten und sind hier leicht möglich. Während Hemigrammus rhodostomus derzeit eher selten eingeführt wird, finden sich Hemigrammus bleheri und Petitella georgiae häufiger im Handel.

Gefährdung:

Nicht gefährdet nach IUCN Red List.

Besondere Anmerkungen:

Es sei insbesondere auf das Sozialverhalten und hier den Artikel zu den Schwarmfischen hingewiesen.

Interessanterweise treten ähnliche Zeichnungsmuster auch in völlig anderen Fischgruppen auf. Als Beispiel der Dreilinienbärbling (Rasbora trilineata) angeführt, der bezüglich der Schwanzflossenzeichnung den Rotmaul- und Rotkopfsalmlern sehr ähnlich ist und diesen auch in vielen Aspekten des Verhaltens nahesteht. Hier liegt wieder ein Beispiel für konvergente Entwicklungen unter ähnlichen ökologischen Bedingungen vor, welches bei Tieren verschiedener Entwicklungslinien zu ähnlichen Ausbildungen führt.

Literatur:

Copyright:

Dr. Ralf Rombach (2003).

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