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Salmlerartige (Characiformes)

Echte amerikanische Salmler (Characidae)

Rotblauer Kolumbianer, Rotblauer Kolumbiensalmler (Hyphessobrycon columbianus Zarske & Géry, 2002

Einleitung:

Schon 1995 eingeführt, wurde der in der Aquaristik bekannte Rotblaue Kolumbianer (Hyphessobrycon columbianus) in 2002 von Zarske & Géry beschrieben. Es handelt sich bei dem Salmler um eine geradezu idealen Aquarienfisch, dessen Nachzucht heute ohne Probleme gelingt.

Synonyme:

Keine.

Größe und Lebenserwartung:

Bis etwa 7 cm. Die Lebenserwartung im Aquarium beträgt bei guter Hälterung etwa 6-8 Jahre.

Verbreitung und Lebensräume:

Rio Acanti, Kolumbien.

Haltung:

Die aquaristische Hälterung ist einfach. Die Art stellt keine sehr hohen Ansprüche an die Wasserwerte und läßt sich gut auch in mittlehartem Wasser bis GH 15 und einem leicht alkalischen pH Wert pflegen.
Die Tiere sind von ihrer Natur aus Kleintierfresser, d.h. sie bevorzugen Lebendfutter wie Mückenlarven, andere Insektenlarven oder Kleinkrebse.
Die Becken sollten eher geräumig (s. Sozialverhalten und Beckengröße), dicht bepflanzt oder strukturiert sein. Zu helle Aquarien kommen den Tieren nicht entgegen, es sollten bei gut beleuchteten Aquarien dunklere Bereiche vorhanden sein, z.B. durch Schwimmpflanzendecken oder geräumigen Unterstände unter überhängenden Holzwurzeln.

Der Rotblaue Kolumbiensalmler gehört innerhalb der Gattung Hyphessobrycon zu den hochrückigen, kräftig gebauten Arten. Wie auch Schmucksalmler oder Kirschflecksalmler und deren Verwandte sind geradezu ideale Beifische für große Skalare. Aufgrund ihrer Größe wird es durch die Buntbarsche zu keinen Angriffen auf die Salmler kommen, anders herum sind diese Hyphessobrycon Arten friedlich genug, daß sie den Skalaren aus dem Weg gehen. Ein großes Aquarium mit einer Gruppe hochrückiger Kolumbiensalmler und Wildfangskalaren ist eine optische Augenweide.

Sozialverhalten und Beckengröße:

Der Kolumbiensalmler ist wie viele der hochrückigen Arten der Gattung Hyphessobrycon kein Schwamrfisch, sondern als gesellige Art einzustufen. Die Tiere grenzen bei ausreichender Ruhe im Aquarium und ausreichender Größe kleine Individualreviere ab, die sie mehr oder weniger aktiv gegen Artgenossen, aber auch anderen, vom Körperbau her ähnlichen Tieren verteidigen. Dabei kommt es nie zu irgendwelchen Verletzungen, da die Tiere keineswegs aggressiv sind. Es empfiehlt sich die Hälterung ab Gruppen von 6-8 Tieren aufwärts in Abhängigkeit von der Beckengröße. Kommt es zu Störungen am und im Aquarium schließen sich die Tiere zu einem lockeren "Schwarmverbund" zusammen und weichen den Störungen gemeinsam aus.
Bei einer Endgröße von bis zu 7 cm ist die Mindestbeckenlänge von 70 cm, wie sie Baensch & Riehl (1997) vorschlagen, deutlich zu gering. Für eine Gruppe von 8 Tieren wäre ein 200 l Standardaquarium zu fordern, damit den Kolumbiensalmlern ihr artspezifisches Verhalten entsprechend ermöglicht wird. Es ist auch zu berücksichtigen, daß die Tiere sehr hochrückig sind und Körperhöhen bis gut 3 cm vorkommen. Bei flacheren Becken, also beispielsweise einem 160 l Standardaquarium (100 x 40 x 40) ist abzüglich der Bodengrundhöhe und des Raumes zwischen oberer Kante und Wasserstand die verbleibende Nettowassersäule nach meiner persönlichen Einschätzung zu gering. 50 cm Bruttohöhe sollte ein Aquarium schon haben.

Geschlechtsunterschiede und Zucht:

Die Geschlechter sind nicht leicht zu unterscheiden, da auffällige Farbmerkmale fehlen. Die männlichen Tiere sind kaum kräftiger gefärbt, insgesamt etwas weniger hochrückig, die Weibchen hingegen mit Laichansatz deutlich fülliger gebaut. Die Rückenflosse der Männchen ist verlängert.

Die Zucht der Rotblauen Kolumbianer ist vergleichsweise einfach. Im Aquarienverein Bad Neuenahr-Ahrweiler gelingt sie regelmäßig fast schon im Daueransatz. Als Zuchtbecken dienen hier kleinere Aquarien mit etwa 80 l Inhalt und "nur" 30 cm Höhe, die sehr dicht mit Vallisnerien bepflanzt sind. Stammbesatzung eines solchen Beckens sind 6-8 Individuen. Bei kräftiger Fütterung mit viel Lebend- und Frostfutter kommt es unweigerlich schon bald zu Laichabgaben und bei der dichten Bepflanzung ist Nachwuchs im Bad Neuenahrer Leitungswasser von etwa 420 µS/cm, einem leicht alkalischen pH Wert unvermeidlich. Die Jungtiere wachsen in solchen Becken auch bei Anwesenheit der Eltern auf, wobei natürlich Verluste durch die räuberisch veranlagten Tiere zwangsweise auftreten. Zusätzliche Fütterung der Jungfische gibt es in solchen Zuchtbecken nicht, allerdings sind neben den Vallisnerien meist dichte Fadenalgenpolster und flottierende feinfiedrige Stengelpflanzen wie Limnophila sessiliflora im Becken vorhanden, wo sich zahlreiche Mikroorganismen ansiedeln.

Separierte Zuchtansätze bei weicherem, leicht sauren Wasser bringen bis zu 300, evtl. auch mehr Eier. Die Larven schlüfen bei etwa 24 C nach 2-3 Tagen und schwimmen am 4.-5. Tag frei. Fütterung mit feinem Staubfutter und alsbald Artemia-Nauplien läßt die Jungfische schnell heranwachsen.

Verwechslungsmöglichkeiten:

Géry vermutete nach Baensch & Riehl (1997), daß es sich bei dem Rotblauen Kolumbiensalmler evtl. um Hyphessobrycon ecuadoriensis handeln könne, bevor die Art von ihm und Zarske beschrieben wurde. Insofern scheinen zwischen beiden Arten Ähnlichkeiten zu bestehen. Da mir Hyphessobrycon ecuadoriensis aus eigener Ansicht bisher unbekannt ist, sei dies als Mitteilung unkommentiert wiedergegeben.

Gefährdung:

Nicht gefährdet nach IUCN Red List.


Besondere Anmerkungen:

Da kommerzielle Importe dieser Fischart weitgehend fehlen, ist die genetische Basis für die Zucht dieser Art allem Anschein nach auf wenige Ausgangstiere beschränkt. Bei solchen Bedingungen ist die Manifestierungen von Mutationen innerhalb der Aquarienpopulationen als rein statistisches Phänomen nur eine Frage der Zeit. So ist es nicht verwunderlich, daß schon 9 Jahre nach der Ersteinfuhr dieser Fischart halbalbinotische und albinotische Formen auftraten, wie das im Vordergrund des nachfolgenden Fotos (leider unscharf) abgebildete Tier.

Zusammenfassung:

Der Rotblaue Kolumbianer (Hyphessobrycon columbianus) ist ein robuster dankbarer Aquarienfisch, der nicht so hohe Ansprüche an die Wasserwerte (mit Ausnahme der Hygiene) wie viele andere Fische stellt. Er ist in mittelhartem Wasser gut hälterbar. Da dieser Salmler sich vergleichsweise leicht und auch produktiv züchten läßt, kann man den Kolumbiensalmler als Einsteig jedem empfehlen, der sich mit der Zucht südamerikanischer Salmler beschäftigen möchte.

Literatur und Links:

  1. Baensch, H.A. & Riehl, R. (1997): Aquarien-Atlas, Band 5, S. 54. - 1. Auflage Melle.
  2. Zarske, A. & Gery, J. (2002): Der blaurote Kolumbien-Salmler (Hyphessobrycon columbianus n. sp.) - ein neuer Salmler (Teleostei, Characiformes, Characidae) aus dem kolumbianischen Darien.- Das Aquarium 391, 23-30.

Copyright:

Dr. Ralf Rombach (2004).

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