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Kröten (Bufonidae)

Erdkröte (Bufo bufo, [L. 1758])

In der Fachliteratur beschreiben zahlreiche Arbeiten die hohen Verluste an Erdkröten und aufwendige Schutzmaßnahmen bedingt durch die Zerschneidung ihres Lebensraums durch Verkehrswege (z.B. Gelder 1973, Blab 1979, Kuhn 1984, Müller et al. 1988). Zum Schutz der erwachsenen Erdkröten werden vielfach Fangzäune (aus Folien, engmaschigem Draht u.a.) entlang von Straßen installiert. Die Tiere werden durch diese entweder in Fangeimer geleitet, die allmorgentlich von Helfern über die Straße verbracht werden müssen, oder aber in Untertunnelungen, die die Tiere unter die Straße hindurchführen. Vielfach werden auch Ersatzlaichgewässer angelegt oder Straßen bei Bedarf gesperrt. Alle diese Schutzmaßnahmen sind aufwendig, und ein Erhalt betroffener Populationen läßt sich dennoch häufig nicht gewährleisten.
Noch schwieriger gestaltet sich der Schutz vom Laichgewässer abwandernder Jungkröten, der leider vielfach vernachlässigt wird. Die nur etwa fliegengroßen Tiere lassen sich nur schwierig durch Fangzäune leiten. Straßensperrungen sind schwieriger durchsetzbar, weil die Jungkröten im Gegensatz zu den Alttieren tagaktiv sind. Der Zerschneidungseffekt von Straßen wirkt zudem auf die winzigen Jungkröten verstärkt (Müller & Steinwarz 1987). Die tagsüber oft aufgeheizte Asphaltdecke kann von den Jungkröten nicht betreten werden, die Straße wird daher (oft nach tagelangem Warten im Straßengraben) zumeist nach einem Regenfall überquert. Dies führt dazu, daß oft viele tausend dieser Jungkröten gleichzeitig auf der Straße unterwegs sind. Die Verluste durch den Straßenverkehr sind dadurch besonders hoch, zumal die Autofahrer die kleinen Tiere kaum wahrnehmen und ihnen dadurch nicht ausweichen können. Einziger Schutz ist eine gezielte Straßensperrung. Dies setzt jedoch eine ständige Beobachtung und sehr kurzfristige Ausführung voraus.
Eine Alternative bestünde in einer Aufständerung der Straßen auf größeren Teilstücken, womit der Trennungseffekt theoretisch verhindert werden könnte. Dennoch ist auch dieses kritisch zu werten, da für das Wanderungsverhalten der Jungkröten nicht nur das Mikroklima, sondern auch die Vegetationsstrukturen von entscheidender Bedeutung sind. Der Bereich unter aufgeständerten Trassen ist in der Regel (soweit es sich nicht um hohe Brückenbauwerke handelt) auch "baulich" verändert und gesichert. Optisch und für die Tiere entscheidend drückt sich dies meist in Kies- oder Steinschüttungen unter den Bauwerken aus. Damit ist jedoch die Raumstruktur, die für das Wanderungsverhalten nach derzeitigem Wissensstand entscheidend ist, einschneidend verändert. Mit zunehmender Größe (Durchmesser) des angeschütteten Steinmaterials stellen diese Kiesbetten für die Jungtiere ebenfalls nur schwierig zu überwindernde Hindernisse dar.

Literatur:

  1. Blab, J. (1979): Amphibienfauna und Landschaftsplanung. Natur u. Landschaft 54, 3-7.
  2. Gelder, J.J. van (1973): A quantitative approach to the mortality resulting from traffic in a population of Bufo bufo L.. Oecologia 13, 93-95.
  3. Kuhn, J. (1984): Eine Population der Erdkröte (Bufo bufo L.) auf der Ulmer Alb: Wanderungen, Straßentod und Überlebensaussichten 1981. Jh. Ges. Naturkunde Württ. 139, 123-159.
  4. Müller, H., Steinhauer, H., Steinwarz, D. (1988): Frühjahrswanderungen einer Erdkröten-Population (Bufo bufo L.) im Siebengebirge. Decheniana 141, 190-197.
  5. Müller, H., Steinwarz, D. (1987): Landschaftsökologische Aspekte der Jungkrötenwanderung - Untersuchungen an einer Erdkröten-Population (Bufo bufo L.) im Siebengebirge. Natur u. Landschaft 62, 473-476.

Copyright:

Dr. Dieter Steinwarz (Hennef) - 2004
Dr. Ralf Rombach (Rech) - 2004


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